Einführung in die Astrologie
Ein kurzer
Rückblick durch Raum und Zeit
ALTERTUM
Die ersten
astrologischen Texte stammen von den Babyloniern, auch wenn man
annimmt, dass sie aus der Kultur der Sumerer, einem noch älteren
Volk, übernommen wurden. Darin begegnen wir den Gestirnen als
machtvollen Göttern, die das Schicksal der Völker bestimmen, denn
die babylonische Astrologie war auf die Vorherbestimmung von
Ereignissen großen Ausmaßes wie Kriege, Dürren oder Überschwemmungen
angelegt. Ihre Überlieferungen weisen sie als exzellente Beobachter
des Sternenhimmels aus. Es war ihnen gelungen, die inneren
Gesetzmäßigkeiten der Himmelsbewegungen zu erkennen, denn die ersten
Ephemeriden (Vorausberechnungen der Gestirnsläufe) finden wir schon
auf den Tontafeln des assyrischen Königs Assurbanipals (7. Jh. v.
Chr.).
Die
Griechen vertrauten sich dagegen lieber ihren Göttern und Orakeln
an, die ihnen in ihrem sibyllinischen Charakter näher standen als die
starre Himmelsmechanik der Babylonier. Nur zögernd übernahmen sie
deren Planetenmodelle, und es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis sich
die Gestirnslehre gegenüber der Götterwelt durchgesetzt hatte. In
der Alexandrinischen Zeit jedoch zerfielen die alten Vorstellungen
von Zeit und Raum, und es entstanden Erkenntnisse, die bis heute
gültig sind. Der große alexandrinische Mathematiker und Astrologe
Ptolemäus erkannte als erster die Verschiebung des Sternenhimmels,
aufgrund der ein Mensch, der im Zeichen des Widders geboren wurde,
zweitausend Jahre später am gleichen Ort und zur gleichen Zeit
astronomisch im Zeichen der Fische zur Welt käme. Er löste das
Problem symbolisch und verlagerte den Zodiak einfach von Raum
(astronomisch) in symbolische Zeit (astrologisch). Durch diesen Akt
wurde die Astrologie von der Astronomie getrennt, denn die wirkliche
Stellung der Sterne am Himmel wurde für die Astrologie nun
uninteressant. Anstelle der wirklichen Gestirne setzte sie das
Modell einer zeitlichen Abfolge von Tierkreiszeichen an den Himmel,
wobei der Widder immer mit dem Frühlingsanfang beginnt, ganz egal,
ob sich dieser räumlich im Zeichen der Fische oder wie in unserer
Zeit am Übergang zum Wassermann befindet.
Im Rom
der Kaiserzeit war die Stellung der Astrologie stark von den Launen
der Mächtigen abhängig. Die Vorliebe zur Vorausschau war zwar
ungebrochen, aber die Techniken der Weissagung wechselten sich in
der Gunst der Herrscher ab. Überflügelt wurden die Astrologen vor
allem von den Auguren, Priestern, die aus dem Vogelflug den Willen
der Götter zu deuten verstanden.
Stellvertretend für die Astrologie in anderen Kulturen seien hier
die Priester-Seher der Maya und Azteken genannt. Die Zukunft der
männlichen Nachkommen wurde durch das Sternbild geregelt. Nach der
Geburt traten die Priester zusammen und erstellten das Horoskop, aus
dem sie die Bestimmung des Knaben herauslasen: Sklave oder Priester,
Ritualopfer oder Soldat. Sie sahen in den Gestirnen den Willen der
Götter, und durch das Entschlüsseln der himmlischen Chiffren
festigten sie ihre Macht.
MITTELALTER
Im frühen
Mittelalter stellte sich für die Theologen die Frage, ob sie die
Astrologie als rechtmäßige Wissenschaft betrachten oder als böses
Zauberwerk verwünschen sollten. Was für die einen eine
ernstzunehmende Wissenschaft war, war für die anderen eine
widerrechtliche Einmischung in die allein geltende göttliche
Weissagung. Thomas von Aquin schließlich fand einen Ausgleich:
Solange sich die Astrologie der Geisterbeschwörung enthielt, könne
sie die Lehren der Kirche durch ihre kosmische Komponente
bereichern. Lehrstühle wurden an den Universitäten eingerichtet, und
unter den Dozenten befanden sich die berühmtesten Astronomen jener
Zeit. Es war nicht zuletzt die Unterstützung durch die Päpste, die
der Astrologie während der Renaissance zu einer Blütezeit verhalf.
Böse Zungen behaupten sogar, daß Luthers schroffe Abweisung der
Astrologie ihren Ursprung in der Tatsache hatte, das sie sich im
Vatikan so ausbreitete.
Mit dem
Aufkommen der exakten Naturwissenschaft verlor die Astrologie aber
ihre Bedeutung. In dem von den Lehren René Descartes (1596-1650)
geprägten Zeitalter des Rationalismus war kein Platz mehr für die
ungesicherten Botschaften der Astrologie, denn sie denkt weder
logisch, kausal, rational noch linear, sondern symbolisch,
ganzheitlich, irrational und analog. Zuerst verschwanden die
astrologischen Lehrstühle an den Universitäten, dann wurde die
Astrologie verboten und schließlich die Astrologen als Ketzer
verbrannt.
Damit war
die Astrologie vorerst gestorben, aber sie wurde immer wieder zu
neuem Leben erweckt, denn der Wunsch, Verborgenes zu erfahren, ist
dem Menschen angeboren. Der Astrologe, der Schamane oder das Medium
in Trance stehen genauso wie der Physiker oder der Tiefenpsychologe
in einer langen Reihe, Unergründliches zu erforschen, die ihre Ahnen
in der babylonischen Astrologie, den keltischen Steinkreisen, den
griechischen Orakeln oder der römischen Wahrsagerei aus dem
Vogelflug oder den Eingeweiden geschlachteter Opfertiere hat.
NEUZEIT
Daß die
Astrologie gerade in unserer Zeit einen solchen Aufschwung erlebt,
ist zwar erfreulich, spricht aber nur indirekt für die Astrologie,
drückt sich darin doch vielmehr das Unbehagen des Menschen gegenüber
den Schattenseiten des rationalen Fortschritts aus, dessen rasender
Entwicklung das Individuum nicht mehr zu folgen vermag. Von der
Voraussetzung ausgehend, daß alles, was er in der äußeren Welt
anstrebt, zuerst als inneres Bild in ihm selbst vorhanden ist,
äußert sich in seinem Wunsch nach äußerer Erkenntnis gleichzeitig
auch der Wunsch nach Selbsterkenntnis.
Trotzdem
kann man jetzt nicht davon ausgehen, daß das Geburtshoroskop die
Erklärungen für die Umstände abgibt, denen man im Leben begegnet,
und daß diese in allen Fällen unverrückbar wären. Man kann eher
davon ausgehen, daß die Planetenstellungen im persönlichen Horoskop
den individuellen Gesichtswinkel bestimmen, aus dem heraus wir die
Umwelt betrachten - also gewissermaßen einer Einladung gleichkommen,
wie wir die an sich unbestimmten Eindrücke aus der Außenwelt zu
erleben und für uns auszuwerten haben. Demnach ist unser Horoskop
der Schlüssel, der uns aufzeigt, wie wir die Welt wahrnehmen, damit
sie unserer Anlage entspricht. Nicht, weil dies der Wahrheit,
sondern weil es der Perspektive unseres Bewußtseins entspricht. Denn
die universale Energie ist eine unpersönliche Kraft, weder gut noch
böse. Sie wird erst durch die Muster unseres Bewußtseins in weiß
oder schwarz unterschieden. Die Unterscheidungen entstehen folglich
im Gehirn, in unserem Denken.
DER KYBERNETISCHE ANSATZ DER ASTROLOGIE
DIE INNEREN PRÄGEMUSTER
Fassen wir
also zum Gedanken Vertrauen, daß alles, was uns aus der Außenwelt
berührt, immer nur die äußere Reflexion auf unbewußte innere
Verhaltensmuster ist. Wenn ein Mensch beispielsweise an der
aggressiven Färbung seiner Umwelt leidet, dann erkennen wir darin
die negative Prägung durch seine eigenen Verhaltensmuster.
Voraussetzung zu dieser Störung könnte möglicherweise sein, daß er
in der Kindheit für einen Anlaß so heftig bestraft wurde, daß fortan
die Angst, wieder Prügel zu bekommen, stärker wurde als der Mut, die
eigenen Aggressionen loszuwerden. Die Angst aber, Prügel zu
erhalten, entspricht der inneren Vorstellung, Prügel zu verteilen.
Mit anderen Worten, nur wenn ich mir selbst vorstellen kann, andere
brutal zusammenzuschlagen, kann ich die gleiche Vorstellung
umgekehrt dazu benutzen, mir das Beziehen von Prügeln durch andere
aufregend auszumalen.
Versuchen
wir uns dies an einem ausführlicheren Beispiel zu erhellen. Der
kleine Peter, der sich von seiner Mutter nicht geliebt fühlt,
reagiert darauf, indem er sich als unliebsam empfindet. Da er auf
die Gefühle der Mutter aber nicht verzichten kann, liefert er sich
eben den Gefühlen aus, keine Liebe zu bekommen, weil er sich mit der
Mutter gegen sich selbst verbündet, um wenigstens das Gefühl der
Schuld zu bekommen, wenn er schon das Gefühl der Liebe nicht erhält:
"Ich bin nicht liebenswert, weil ich nicht so sein kann, wie meine
Mutter mich liebt!"
Ist der
kleine Peter aber groß geworden, dann ist diese negative Fixierung
immer noch vorhanden, denn jetzt interessiert er sich nur für
Frauen, die ihm seinen negativen Gefühlswert bestätigen (die ihn
also auch nicht lieben können, weil er nicht so ist, wie seine
Mutter ihn liebt).
Trotzdem
kann man nicht behaupten, daß der große Peter keine Gefühle kennt,
sind es doch ganz im Gegenteil sehr starke Gefühle, die er
ausdrückt, nur eben auf der Haben-Seite, auf der Schuldebene, im
Schattenbereich. Darum müssen wir uns hüten, falsche Schlüsse zu
ziehen, indem wir zum Beispiel annehmen, daß sich diese Gefühle auf
der unerlösten Ebene negativ in Peters Leben auswirken, denn damit
würden wir die Werte polarisieren. Die Werte folgen in ihren
Auswirkungen den Ursachen, auf die sie sich beziehen. Wie wir das
beurteilen, ist unsere Sache, aber wir müssen auch wissen, daß
Menschen in ihrer Geschichte mehr Leid durch die negative Fixierung
des Leidens als durch das Leid selbst entfacht haben. (Mit anderen
Worten, die soziale Gewichtung des Umfeldes bei Arbeitslosigkeit
oder Krankheit kann das Individuum mehr belasten als das Problem
selbst.)
Die
Schwierigkeit ist vielfach die, etwas ändern zu wollen, ohne die
Zusammenhänge zu erkennen. Peter wird nicht krank, wenn er seine
Gefühle auf der unerlösten Ebene ausleben kann, weil dieses Syndrom
ja nicht nur Strafe, sondern gleichzeitig auch der Versuch der
Psyche ist, sich durch Einbeziehung des Schattens wieder in Harmonie
zu bringen. Anders ausgedrückt, Peters negatives Muttergefühl zwingt
ihn dazu, sich im Leben Frauen zuzuwenden, die ihm keine Liebe geben
können - was in sich stimmig ist, denn nur in diesen Frauen kann er
sein eigenes Mutterbild finden, weil dies der logischen Wirkung auf
die vorhandenen Ursachen entspricht. Damit ist Peter mit seinen
eigenen Problemen auf eine unerlöste Art in Harmonie. Krank wird
Peter erst, wenn man ihm erklärt, daß sein Frauenbild nicht stimmt
und man eine Änderung herbeiführen will, ohne die Voraussetzungen in
seiner Psyche zu berücksichtigen.
DIE RÜCKWÄRTS WIRKENDE KAUSALITÄT
Um das
Problem aber in seinem inneren Zusammenhang zu betrachten, müssen
wir das Prinzip von Ursache und Wirkung verlassen. Dieses Prinzip
ist nur der Kunstgriff unseres Verstandes, um uns die Strukturen in
der Welt einsichtiger zu machen (denn die Voraussetzungen unseres
Verstandes zwingen uns, die Welt nach dem Prinzip von Ursache und
Wirkung zu betrachten).
Wir
müssen begreifen, daß die Ursachen, aus denen sich die Wirkungen
ergeben, selbst nur Wirkungen davorliegender Ursachen sind, die sich
auf immer weiter zurückliegende Voraussetzungen zurückführen lassen.
Die Ursache von Peters Frauentrauma, sein Mutterbild, ist lediglich
die Wirkung weiter zurückliegender Ursachen, die wiederum Wirkungen
noch tieferer Ursachen sind. Peter muß sich zumindest Gedanken über
die Gesamtzusammenhänge machen, um sich mit seinem Problem
spirituell auseinandersetzen zu können.
Es ist
also wichtig zu wissen, dass Peters Probleme eine Folge von
Wirkungsprinzipien sind, die auf Ursachen folgen, deren Grundlagen
in Peter selbst zu suchen sind. Und ähnlich, wie die Menschheit
keinen Frieden finden wird, solange sie ihr Verhalten nicht ändert,
weil der Krieg exakt den Auswirkungen menschlicher Verhaltensmuster
entspricht, so wird sich Peters Frauenbild nicht ändern, indem er
der Mutter jetzt die Schuld gibt. Die Mutter ist nicht nur Ursache,
sondern auch Wirkung in Peters traumatischem Verhalten, das
gleichzeitig in die Vergangenheit und in die Zukunft weist.
Versuchen
wir einmal, die Ursachen in unserem Beispiel umzustellen. Dann ist
Peters Frauenbild nicht mehr gestört, weil er von der Mutter keine
Liebe empfing, sondern er benutzte im Gegenteil die Mutter, die ihm
keine Liebe geben konnte, um sein eigenes, inneres Frauenbild in der
Außenwelt zu gestalten. Oder noch drastischer: Peters Mutter will
ihm alle Liebe geben, doch sein inneres Empfinden ist nicht auf
diese Schwingung eingestellt, und so erhält er keine Mutterliebe. Er
empfängt auf einer Frequenz, auf der die Liebe der Mutter nicht
durchdringt oder umgekehrt, dort, wo die Muttergefühle fließen,
erhält er keine Signale.
Solche
Beobachtungen helfen uns zu erkennen, dass unsere objektive
Wirklichkeit einem Denken entspricht, das sich aus seinen
Beobachtungen selbst ausschließt, weil es glaubt, außerhalb zu
stehen und die Welt getrennt von der eigenen Wahrnehmung zu sehen.
In Wirklichkeit gibt es nur die Wechselwirkung zwischen dem
Beobachter und dem Beobachteten, wobei der Beobachter das, was er
sehen will, in das zu Beobachtende einfließen läßt, um in der
Außenwelt die Bestätigung für das zu erhalten, was er sehen will.
Erst wenn
er die Mutter von seinem inneren Bild "abzieht", kann er die
"äußere" Frau rehabilitieren, die sonst nur zum Opfer seiner inneren
Vorstellung wird. Wenn er seine Kindheit mittels dieser Perspektive
nochmals nachvollzieht, kann er vielleicht den unbewußten
Mechanismus erkennen, immer dann Liebe von der Mutter gefordert zu
haben, wenn diese durch äußere Umstände verhindert war. Dieses
unbewußte Verhalten, in den unpassendsten Momenten Gefühle
auszudrücken oder zu erwarten, entspricht dem Senden und Empfangen
auf verschiedenen Frequenzen, was aber nicht die Schuld der Mutter,
sondern eine gewisse Nicht-Übereinstimmung in den Gefühlen von Kind
und Mutter ist.
DIE INDIVIDUELLE PERSPEKTIVE (DER MECHANISMUS DER ZUNEIGUNG)
Wir haben
an Peters Mutterproblemen gesehen, daß die Probleme nicht von der
äußeren Erscheinung, sondern vom inneren Bild herrühren, das über
die Mutter nur ausgelöst wird. So können wir erkennen, daß wir eine
Sache nicht so sehen, wie sie ist, sondern nur, wie die
Bereitschaft, sie zu sehen, in uns selbst vorhanden ist. Wenn
Disharmonien zur Mutter in der Psyche des Kindes angelegt sind, dann
kann sich die Mutter verhalten, wie sie will - immer wird sie vom
unbewußten Verhalten des Kindes in eine Lage gezwungen, in der sich
die Spannungen auch auslösen.
Immer
sind es die Gefühle uns selbst gegenüber, die uns Menschen zwingen,
die Welt aus jener Perspektive zu beurteilen, die den Gefühlen
entspricht, mit denen wir uns identifizieren. Es sind die Gefühle,
die uns anziehen, an die wir uns je nach Anlagen zu binden haben und
die dann über diese Bindungen die Funktionen oder Wirkungen in
unserem Leben festlegen, die wir aufgrund unserer Veranlagungen in
unser persönliches Schicksal übernehmen.
Die
Gefühle sind die individuellen Vorstellungen, sich genau von jenen
Vorstellungen in der Welt anziehen zu lassen, die auf der gleichen
Wellenlänge liegen. Hieraus können wir lernen, daß die Schöpfer
aller Bilder unsere inneren Gefühle sind, ein System von
individuellen Vorstellungen, die einerseits auf angeborene
Charakteranlagen zurückzuführen sind, andererseits aber auch auf
anerzogene Verhaltensmuster, welche wiederum das Konglomerat von
Erbanlagen sind.
Es ist
genau dieses Beziehungsgeflecht, das sich durch die Geschichte der
Menschen zieht und gleichsam zu der Straße wird, auf welcher
Generationen vererbter Vorstellungen sich bewegen. Dieses Geflecht,
das dem Verhalten der menschlichen Psyche entspricht, sich immer auf
irgend etwas zu beziehen, ist die Welt, die sich aus dem Bewußtsein
dieser Bilder nährt.
DIE AUSLÖSUNG DES SCHICKSALS
Somit kann
das Kind seine Eltern für den Mangel an Übereinstimmung nicht mehr
verantwortlich machen, weil nur der Mangel an Übereinstimmung in den
Alltag übertragen werden kann, der sich im Kind selbst befindet. Man
kann das Auto auch nicht verurteilen, das einem über die Füße fährt,
weil es einem nur dann über den Fuß fahren kann, wenn die
Bereitschaft, dies zu erleiden, in einem selbst vorhanden ist.
Im
Schicksal spiegelt sich immer die Vollstreckung einer bestimmten
Entwicklung. Ist man sich dieser Entwicklung nicht bewußt, so kann
man das erlittene Schicksal nur schwer akzeptieren, weil man die
Voraussetzung der Schicksalserfüllung nicht in sich selbst sieht.
Wenn ich aber die Voraussetzungen zur Schicksalserfüllung nicht in
mir selber sehe, werde ich keine Verantwortung für das übernehmen
können, was mir passiert.
Das, was
mir begegnet, wird scheinbar ausgelöst von der Umwelt, die mich
umgibt. Es sind jedoch die inneren, unerlösten Bilder in mir, die
mich zwingen, mich denjenigen Umständen in der Umwelt auszuliefern,
die mich dorthin dirigieren, wo mich mein verdrängtes,
unakzeptiertes Schicksal von außen zwangsweise wieder einholt. Wenn
ich das, was in mir angelegt ist, nicht selber erfülle, dann wird
das Zu-Erfüllende von außen bewirkt, wobei allerdings das, was mir
zur Schicksalserfüllung verhilft, vielleicht nicht immer sehr
angenehm ist.
Wir
können davon ausgehen, daß wir selbst die Verursacher unserer
Erlebnisse sind. Aufgrund unserer Vorstellungszwänge, wie wir die
Welt wahrzunehmen haben, binden wir uns an das Ereignis "Leben".
Gleichzeitig beschweren wir uns aber über diese Bindung und beklagen
sie als böses Schicksal, das uns von den Göttern aufgezwungen wurde,
beneiden unsere Nachbarn, eifern fernen Helden nach und streben nach
Profit. Damit erschaffen wir eine Welt, in der Kampf, Leistung und
Rücksichtslosigkeit vorherrschen. Von der Wiege bis zur Bahre wählt
jeder aus dem unerschöpflichen Trog von Perspektiven diejenigen
Sichtweisen heraus, die seiner inneren Ausrichtung an die
Geschehnisse in der äußeren Welt entsprechen.
Viele
sprechen dann von schwerem Schicksal, wo es sich doch um die
Kompensationsmechanismen der Seele handelt, um das eigene Schicksal
zu erfüllen. Ob das die Pleite ist, die sich abzeichnet, oder die
Ehefrau, die wegläuft, ob es das Auto ist, das einem über die Füße
fährt oder der Blumentopf, der einem auf den Kopf fällt: Wichtig ist
zu akzeptieren, daß einem auf dem Schicksalsweg nichts anderes
begegnen kann als das, was in einem selbst angelegt ist. Auch wenn
wir uns im Glauben wiegen, unser eigenes Leben zu kontrollieren,
weil uns die Verplanung der materiellen Realität dies suggeriert: In
Wirklichkeit werden wir von den Wirkungen unserer Handlungen
herumgeworfen, in denen die unsichtbaren Keime künftiger Entwicklung
schon eingegossen sind!
DIE MEHRDIMENSIONALE PERSPEKTIVE
Die Welt,
so wie sie sich uns darstellt, entspricht der Summe unserer
Erfahrungen, die wir durch unsere Taten mit eben dieser Welt gemacht
haben. Das entspricht gleichzeitig auch unserem Denken, in das
beständig neue Erfahrungen einfließen, was sich in einem immer
wieder leicht modifizierten Weltbild niederschlägt. Nun müssen wir
aber wissen, daß wir nicht generell Erfahrungen anziehen, sondern
uns nur von Erfahrungsmustern anziehen lassen, die zu unserer
Weltanschauung irgendwie in Verbindung stehen. Da diese
Weltanschauung sich wechselwirkend aus den gemachten Erfahrungen
zusammensetzt, ist hier leicht nachvollziehbar, daß das menschliche
Bestreben nicht darauf zielt, die Welt kennenzulernen, sondern sich
immer mehr in seinen eigenen Erfahrungen zu bestätigen.
Setzen
wir weiter voraus, daß unsere persönliche Erfahrung unserem
persönlichen Wirken in der Welt entspricht und dieses Wirken unseren
ererbten Anlagen, so können wir vermuten, daß die Schaltzentrale für
unsere Taten nicht in unserem Bewußtsein sitzt, sondern in jener
vieldimensionalen Persönlichkeit, in die wir uns mit unserer ganzen
Ahnenreihe (Inkarnationskette) teilen.
Unsere
Horoskop-Persönlichkeit stellt also nur einen Ausschnitt unseres
Gesamtwesens dar, das wir innerhalb unseres RaumZeit-Kontinuums zum
Ausdruck bringen. Unsere individuellen Anlagen ziehen dabei die noch
fehlenden Erlebnismuster an, um sie über den Filter des bewußten
Erlebens in die Gesamtperson zu integrieren.
Wir
können nun versuchen, diese Gesamtpersönlichkeit als etwas zu
erfassen, das sich durch seine eigenen Teilausschnitte (Fragmente)
selbst erfährt. Genauso, wie sich der Mensch über seine Erlebnisse
in der Welt (Berührungen mit der Kollektivpsyche) selbst zu erkennen
sucht, genauso sucht sich die Gesamtwesenheit durch die Erlebnisse
ihrer Fragmentpersönlichkeiten selbst zu erfahren.
Nicht nur
die Gesamtpersönlichkeit prägt unser Wesen, sondern auch die Summe
unserer Erfahrungen auf allen Realitätsebenen: "Das Ich entspricht
dem Geist des Ewigen, sich in die Dualität zu übertragen, und wird
deshalb zum verkleinerten Rahmen, in dessen Reflexionen sich der
Kosmos erkennt!" (Der Geist der Schöpfung)