| "Das
Konzept des Karmas als Ursache für die Reinkarnation von
Seelen bringt die faszinierenden Obertöne des essentiellen
Lebenssinnes in die Astrologie. Wir alle haben hier noch zu
lernen. Wir durchlaufen unterschiedliche Erfahrungen und
erlangen dadurch ein Verständnis, das uns schließlich in
unserer Evolution weiter führt. Ohne Erfahrung gibt es kein
Wachstum. Diese Erfahrungen werden für uns durch denjenigen
Bewusstseinspunkt gebündelt, den wir mittels des Aszendenten
wahrnehmen. Auf diese Weise lernen wir unseren Platz in der
Welt durch alles kennen, was durch unsere Persönlichkeit
gefiltert wird. Manchmal sind solche Lektionen äußerst
schwer zu lernen. Oft geschieht es, dass wir jahrelang immer
wieder die gleichen Erfahrungen durchlaufen müssen, bevor
wir begreifen können, was wir da aus der äußeren Umgebung
aufnehmen. Jedes Mal, wenn wir eine karmische Lektion
gelernt haben, wird das Leben leichter. Wir brauchen dann
nämlich nicht mehr das Gewicht der Informationen, Gefühle
oder Meinungen zu tragen, die Teil dieser Lektion waren. Aus
diesem Grund kommt es nicht nur darauf an, dass wir unser
Karma kennen lernen, sondern dass wir wirksame Methoden
kennen lernen, diejenigen Lektionen zu begreifen, die unsere
Seele uns zuführt. Einer der Gründe dafür, warum so viele
Menschen Schwierigkeiten mit der Erfüllung ihrer karmischen
Verpflichtungen haben, liegt daran, dass es zwei
verschiedene Arten von Karma gibt.
Auf der
einen Ebene gibt es das persönliche Karma. Es setzt sich aus
den Fehlern oder Missverständnissen in Gedanken, Gefühlen
oder Handlungen aus vergangenen Leben zusammen, die die
Seele als Rest mit in dieses Leben gebracht hat und die zu
korrigieren sind. Ebenso wie die Fehler und
Missverständnisse unserer Vergangenheit, gibt es Handlungen
im derzeitigen Leben, die uns ebenfalls beeinflussen. In
beiden Fällen bezieht sich dies auf das persönliche Karma.
Auf eine andere Art Karma bezieht sich der bekannte
Psychologe C.G. Jung, wenn er sagt: "Das Karma erschafft
sich auf unpersönliche Weise stets neu." Jung wies in diesem
Fall auf die unpersönlichen Handlungen eines unpersönlichen
Universums hin. Was wir für "Gottes Willen" halten, wie etwa
ungewöhnliche Witterungen, seltene Vorfälle oder sogar die
unpersönlichen Bewegungen der Planeten, all dies geschieht
innerhalb der Gesetze von Ursache und Wirkung, die wir als
Karma bezeichnen. In diesem Sinne ist Karma nichts
Persönliches, obwohl von diesen unpersönlichen Vorgängen
Menschen persönlich betroffen werden können. Wir sehen also,
dass das Leben aus individuellen Erfahrungen besteht, die
wir auf unserem persönlichen Entwicklungsweg durchlaufen,
wie auch aus den unpersönlichen Erfahrungen, die wir in der
Entfaltung des Universums beobachten.
Moden sind
ein ausgezeichnetes Beispiel für unpersönliches Karma.
Persönlich maßgeblich sind sie nur für diejenigen Personen,
die sie entwerfen, oder auch vielleicht für diejenigen, die
daran verdienen. Alle anderen Menschen, die sich von den
jährlich wechselnden Modeströmungen verlocken lassen, lassen
sich persönlich von Anteilen unpersönlichen Karmas
beeinflussen, das in der Welt existiert.
Manche
Menschen werden stark davon beeinflusst, was andere von
ihnen denken. Solche Menschen brauchen für ihr
Selbstwertgefühl die Anerkennung anderer. Indem sie ihr
Wesenszentrum in andere verlegen, kehrt sich natürlich ihre
Bewusstseinsausrichtung um. Ihre Persönlichkeit wird zum
Produkt äußerer Einflüsse. Tritt so etwas auf, so kann man
leicht erkennen, wie diese Menschen Schwierigkeiten mit
ihrer Identität, ihrem Ego oder ihrer Beziehung zu sich
selbst bekommen. Wichtiger daran ist jedoch die Auswirkung,
die solche Identifikationen auf unsere Fähigkeit haben, mit
unserem Schicksal umzugehen.
Konzentriert sich eine Persönlichkeit in den äußeren
Bedingungen der Umgebung, so läuft sie Gefahr, sich mit
unpersönlichem Karma zu identifizieren. Auf diese Weise
nimmt ein Individuum vieles in sich auf, was ihm ein
veräußerlichtes Bewusstsein vorschreibt. Sein Innenleben
wird nicht nur von den wechselnden Moden der Außenwelt,
sondern auch von den wechselnden Sitten und Gebräuchen einer
sich stets verändernden Gesellschaft beeinflusst. Ist gerade
eine bestimmte Kleidung in Mode, so fühlt sich dieser Mensch
verpflichtet, sich dem Trend anzuschließen und so weiter.
0hne sich darüber klar zu werden, wird er schnell persönlich
verwickelt oder wehrt sich insgeheim gegen die vielen
Variablen des universellen Bewusstseins, das ihn nur von
seinem eigenen, persönlichen Karma abhält. Der Lebensstil
kann dann sehr leicht hauptsächlich davon bestimmt werden,
"mit den Meiers mitzuhalten". Oder man strengt sich sehr an,
mit etwas zu konkurrieren, mit dem sich persönlich nicht
konkurrieren lässt. Für einen Menschen, der seinen
Aszendenten auf solche Weise einsetzt, ist es so gut wie
unmöglich, sein Karma kennen zu lernen, geschweige denn den
Drang nach dessen Erfüllung zu spüren. Wenn wir nur daran
denken, wie viele Individuen ihr Leben tatsächlich derart
"umgekrempelt" leben, dann verstehen wir leicht, warum die
Evolution unserer Art so überwältigend langsam verläuft.
Bringen
wir den Fixpunkt unseres Bewusstseins in die richtige
Perspektive, so lässt sich Jungs Definition des
unpersönlichen Karmas leicht als eine Bühne verstehen, auf
der das Spiel des persönlichen Schicksals aufgeführt wird.
Der Aszendent kann uns davor schützen, am Karma teilzuhaben,
das für unsere eigene Erfahrung nicht notwendig ist. Er
führt uns zu genau den jeweiligen Gedanken, Handlungen oder
Bewusstseinsschritten, die uns beim Erleben unseres
persönlichen Karmas helfen. In jedem menschlichen Wesen gibt
es eine Persönlichkeit und eine Seele. Die Seele scheint
manchmal zu schlafen, weil sie noch nicht zu ihrem
spirituellen Zweck erweckt worden ist. In solchen Fällen ist
die Funktion der Persönlichkeit ziemlich bedeutungslos, wie
ein Korken, der auf den alltäglichen Gefühlströmungen hin-
und her- schwimmt. Erwacht die Seele jedoch zu ihrem
eigentlichen Sinn, so verändert sich das Leben grundlegend.
Alle
Erfahrungen der Persönlichkeit spiegeln dann das symbolische
Ausleben einer höheren Bedeutung, eines höheren Bewusstseins
und eines tiefen Gefühls persönlicher Erfüllung innerhalb
des unpersönlichen - Ganzen. Was aber lässt die Seele
erwachen?
Die
Mondknoten symbolisieren die individuellen Lektionen im
Leben, die für das Wachstum der Seele zu erlernen sind. Sie
symbolisieren den eigentlichen Kontakt einer persönlichen
Seele mit dem Plan Gottes. Auf diese Weise wird die Richtung
vom südlichen zum nördlichen Mondknoten zu einem direkten
Pfad des Fortschreitens aus der Vergangenheit zu einer ewig
werdenden Gegenwart und zu den Möglichkeiten der Zukunft.
Es ist
jedoch eine Sache, von den Lektionen in unserem Leben zu
wissen, und eine ganz andere, sie auch umsetzen zu können.
Als ein Ausdruck des göttlichen Willens ist die Menschheit
ein ätherisches Konzept, und als solches für ein Individuum
oft schwer zu begreifen. Und doch ist die Möglichkeit der
persönlichen Entwicklung, die Verbesserung unserer selbst
und das Erblühen unseres Wesens etwas, was unsere
Sensibilität hinreichend fasziniert, um auch in einem
universellen Maßstab die stete Motivation zur menschlichen
Evolution zu bilden. Denken wir jedoch an das Individuum, so
muss es einen Verbindungspunkt zwischen den höheren
Bestrebungen des Bewusstseins und der Fähigkeit geben, in
der profanen Welt zu existieren. Die Mondknoten brauchen
sozusagen ein Werkzeug, durch welches die Lektionen der
Seele auf der Erde erfahrbar werden.
Dieses
Werkzeug stellt der Rest des Horoskops dar. Die
verschiedenen Planetenstellungen und die Aspekte zwischen
ihnen zeigen das Potential eines Individuums an. Sie bilden
die eigentliche Matrix seines Lebens. Die Aspekte im
Horoskop helfen, das Individuum im Raum festzulegen. Die
Vektoren und Eigenschaften dieser Aspekte dienen als ein
Bezugsrahmen, anhand dessen die Qualitäten und Quantitäten
seines Potentials verstanden werden können. Die Mondknoten
bringen ihn in Berührung mit der transzendenten Qualität der
ewigen Zeit. So muss das ganze Horoskop im Zusammenhang
dessen arbeiten, was die Mondkonten aussagen. Das Potential
eines Individuums wird auf den Pfad ausgerichtet, der die
Seele zur höchsten erreichbaren Entwicklung führen kann.
Wird das
Horoskop nicht auf diese Weise gesehen, so fehlt im
menschlichen Potential der Rahmen, innerhalb dessen es sich
manifestieren kann . Das persönliche Potential kann sich
dann in Bereiche ergießen, die für das innere Wesen entweder
bedeutungslos sind oder wenig zur Förderung der menschlichen
Evolution beitragen. Das Horoskop wird also zu einem bloßen
Behälter, durch den die Bedürfnisse der Seele fließen.
Die
Beziehung zwischen den Mondknoten und dem Horoskop können
wir als das schlummernde Potential ansehen, das auf einen
bestimmten Weg gebracht werden muss. Doch fehlt immer noch
ein Bindeglied. Ein Individuum mag die Lektionen kennen, die
es aufgrund seiner Mondknoten lernen soll, und kann sich
auch in Berührung mit dem Potential befinden, die es für die
Meisterung dieser Lektionen in Form planetarer Kräfte und
Konstellationen innerhalb des Horoskops besitzt.
Es fehlt
aber immer noch der sinnvolle Kontakt mit der äußeren
Umgebung durch die Persönlichkeit, sofern die Lektionen zu
einem Teil seiner Beziehung mit der Welt werden sollen, in
der es lebt. Dieses dritte Bindeglied tritt in Form des
Aszendenten auf. Hierin kann das Individuum die Richtung
seiner Seele (die Mondknoten) mit seinem Potenzial
(Planetenstellungen und Aspekte im Horoskop) auf einer Ebene
zum Ausdruck bringen, die sich persönlich auf die
alltäglichen Erfahrungen des Leben beziehen lässt. Der
Aszendent wird zum Tor, durch welches sich schließlich alles
manifestieren lässt, was ein Individuum ist und anstrebt."
Bücher
"Karmische Astrologie Band 1 - 4" von Martin Schulman
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