Buecher und Leseproben Thorwald Dethlefsen

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Leseprobe1
»Schicksal als Chance«  von Thorwald Dethlefsen
Buchauszug
Aus dem Kapitel Astrologie

Das Horoskop als Lehrplan des Lebens
 
Das Horoskop zeigt in symbolischer Form die Zeitqualität, eine spezifische Rangordnung und Beziehung der Urprinzipien, an, unter welcher ein Mensch in dieses Dasein getreten ist. Dieses Horoskop ist seine Aufgabe beziehungsweise sein Lehrplan, den es in diesem Leben zu erfüllen gilt. Jede sogenannte Konstellation verkörpert eine bestimmte Aufgabe, ein Problem.

      An dieser Stelle seien einige Bemerkungen zu dem Begriff Problem erlaubt. In Wirklichkeit gibt es keine Probleme. Eine bestimmte Situation wird nur dann für einen Menschen zum Problem, wenn er die Situation nicht in sein Bewußtsein integrieren kann. Multiplizieren ist für ein sechsjähriges Kind ein großes Problem, für einen Dreißigjährigen kaum, er hat in der Zwischenzeit das Multiplizieren gelernt. Jeder Lernprozeß ist auch eine Bewußtseinserweiterung, die es ermöglicht, die Aufgabe zu lösen. Mit jeder Lösung eines Problems erlöst man gleichzeitig die Aufgabe aus ihrer »Problemhaftigkeit«. Ein solcher Erlösungsprozeß hat zur Folge, daß die erlöste Situation gewöhnlich nie wieder auf die Ebene des Problems absinken kann.
      Es ist wichtig, daß der Mensch nie vergißt, daß ein Problem nur der individuelle Niveau-Unterschied zwischen einer Situation und einer Bewußtseinslage bezeichnet und deshalb den Menschen herausfordern soll, es durch einen Lernschritt zu erlösen. Im täglichen Leben benehmen sich jedoch die meisten Menschen so, als gäbe es Probleme »an sich«. und fordern deshalb gerne die Umwelt auf, diese zu beseitigen.
       Jede Konstellation im Horoskop ist die Symbolform eines solchen Problems und das ganze Horoskop ist mit einem Lehrplan für dieses Leben vergleichbar. So wollen alle diese Konstellationen durch Lernschritte, durch aktive Verwirklichung, ins Leben umgesetzt und erlöst werden. Konstellationen sind zwar zum Zeitpunkt der Geburt noch »Probleme«, sollten aber am Ende des Lebens möglichst vollständig davon erlöst sein. Denn das Leben ist ein Lernprozeß – leider ist dieser Satz für viele nicht so selbstverständlich, wie es eigentlich sein sollte.
      Suchen wir in der Natur nach einem gemeinsamen Wesenszug, so finden wir, daß alles sich entwickelt. Der Gedanke der Evolution ist für die Wissenschaft wie für die Esoterik gleichermaßen das Ziel allen Lebens. Neigt die Wissenschaft dazu, Evolution als ein Produkt »zufälliger« Genmutationen zu betrachten, so sieht die Esoterik in der Evolution eine finale Entwicklung auf ein definiertes Ziel hin. Doch einig sind sich alle, daß alles, was lebt, sich entwickelt. Wodurch geschieht dies? Ausschließlich durch Lernprozesse. Dies gilt für den Wurm wie für den Menschen.
      Doch Lernprozesse können nur, wie wir sahen, durch die Lösung von Problemen stattfinden. Da Problemlösungen immer mit Anstrengungen verbunden sind, suchen sich die Lebewesen die Probleme meist nicht von selbst, sondern müssen damit konfrontiert werden. So entpuppen sich die Probleme als die eigentlichen Antriebsräder der Evolution.
Die Instanz, die dafür sorgt, daß der Mensch nie aufhört zu lernen, und ihn deshalb immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert, nennt der Mensch Schicksal. Und weil im Horoskop eines Menschen der gesamte Lehrplan für eine Inkarnation vorgezeichnet ist, behauptet man, daß man im Horoskop das Schicksal eines Menschen sehen könnte. Letzteres klingt, isoliert betrachtet, wie ein Fatum, das über jeden gestülpt wird. Sprechen wir aber vom Lehrplan oder der Aufgabenverteilung, so entdecken wir etwas mehr von der dahinterstehenden Sinnhaftigkeit.

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Die Polarität des Lernens
Schon längst steht die Frage im Raum, wie weit das Schicksal beziehungsweise die Erfüllung dieser Aufgaben determiniert (bestimmt, begrenzt) und wo denn die Freiheit des Menschen ist, daran etwas zu ändern. Dies ist und bleibt eine der schwierigsten Fragen, aber wir können uns einer etwaigen Lösung nur schrittweise nähern.
     Was den Lehrplan betrifft, so ist dieser mit Sicherheit determiniert, er muß erfüllt werden. Doch auch innerhalb des Determinismus bleibt das Polaritätsgesetz voll wirksam. Das Polaritätsgesetz stellt uns vor die Wahl, wie wir den Lehrplan erfüllen, auf welchem Weg wir unsere Lernschritte machen wollen und wie wir die Probleme erlösen. Man unterscheide also zwischen den zu lösenden Problemen selbst, die völlig determiniert sind, und dem »wie« des Lösungsweges, für den die Polarität zwei Möglichkeiten zur Verfügung stellt:
 
     Das bewußte Lernen. Diese Möglichkeit erfordert vom Menschen, daß er stets bereit ist, sich den Anforderungen des Schicksals zu stellen und freiwillig jedes auftretende Problem durch Aktivität zu erlösen.
     Das unbewußte Lernen. Es tritt automatisch in Kraft, wenn der Mensch versäumt, ein Problem bewußt zu lösen.
 
     Die Mehrzahl der Menschen beschränkt sich größtenteils auf die zweite Möglichkeit, nämlich das unbewußte Lernen. Unbewußtes Lernen ist jedoch immer Lernen durch Leid. Solange der Mensch bereit ist, alte Standpunkte und Fixierungen in Frage zu stellen, neue zu lernen, neue Erfahrungen zu riskieren, sein Bewußtsein zu erweitern, so daß er alle vom Schicksal angetragenen Aufgaben meistert, solange braucht er sich vor allzu großen Schicksalsschlägen oder Krankheiten nicht zu fürchten.
     Doch in dem Moment, wenn der Mensch die Probleme wegschiebt und versucht, ihnen zu entfliehen oder sie zu negieren (die Psychologen nennen dies »verdrängen«), beginnt das Schicksal den Menschen in den nicht wahrgenommenen Lernprozeß zu zwingen. Der Mensch wird Opfer einer Situation, in der er zwangsläufig mindestens einen Teil des Problems durch Erleben löst. Der Lernprozeß ist meist in solchen erzwungenen Situationen unvollständig, weil der Widerstand des Erleidenden zu groß ist. Erst wenn der Mensch mit einer Situation ausgesöhnt ist, kann er ihre Sinnhaftigkeit ganz begreifen. So ist der nicht erlöste Rest eines Problems der neue Keim für eine neue Zwangsbelehrung. Ein Beispiel:
      Wir greifen aus dem Horoskop eines Menschen eine Konstellation heraus, die in der Fachsprache »Saturn-Quadrat-Mars« lauten würde. Rein technisch bedeutet dies, daß der Planet Saturn zum Planeten Mars einen 90°-Winkel bildete, als dieser Mensch geboren wurde. Diese Saturn-Mars-Konstellation ist aber lediglich Symbol für eine bestimmte Lernaufgabe. Das Prinzip des Saturn steht unter dem Begriff Widerstand, Struktur, Hemmung; dem Prinzip Mars ordnen wir die Begriffe Energie und Impuls bei. Treten diese beiden Urprinzipien in einem Horoskop miteinander in eine Beziehung ein, die man Quadrat nennt, so heißt dies, daß bei diesem Menschen Energie und Widerstand miteinander gekoppelt sind und nicht voneinander getrennt werden können. Wir nennen dies kurz »Energie-Widerstands-Problematik«. Wann immer ein solcher Mensch seine Energien verausgaben will, wird er gleichzeitig auf Widerstände stoßen.
      Ein solcher Mensch wird sich sehr über die Außenwelt beschweren und der Ansicht sein, daß man ihm boshafterweise ständig Knüppel zwischen die Beine wirft. Je mehr er nun die »Schuld« auf die Umwelt projiziert, um so weniger wird er sein Problem erlösen. Zwar ist es richtig, daß die Umwelt ausführendes Organ dieser Widerstände ist, aber das Problem selbst liegt im betreffenden Menschen, der durch diese Affinität (Verwandtschaft, Neigung) mit der entsprechenden Außenwelt gesetzmäßig in Berührung kommt – man kann auch sagen: sich unbewußt sucht. In Wirklichkeit braucht dieser Mensch sogar diese Widerstände, da ohne sie keine Energie von ihm verausgabt werden kann. Solche Menschen wachsen an den Widerständen, was leicht zur sogenannten »Eskalation der Widerstandssuche« führen kann.
Die Konstellation ist eine Aufgabe für den Menschen, sie ist weder gut noch schlecht, weder positiv noch negativ, sondern will lediglich vom Menschen in Wirklichkeit umgesetzt werden, da sie nur dadurch erlöst werden kann.
Wir nehmen weiterhin an, dieser Mensch verdränge dieses Problem weitgehend. Dort, wo er es antrifft, projiziert er es auf die Umwelt und macht diese dafür verantwortlich, aber selbst unternimmt er nichts, um dieses Problem zu lösen. Er hält es ja gar nicht für »sein Problem«.
      In der Astrologie gibt es nun bestimmte technische Verfahren, mit denen man erkennen kann, wann eine bestimmte Konstellation eine besondere Aktualität für den Menschen gewinnt, die sogenannte Auslösung. Die Mehrzahl der Astrologen neigt dazu, eine solche Konstellation als schlecht oder gefährlich zu bezeichnen, und würde, falls dieser Mensch sich beraten ließe, für den errechneten Zeitpunkt der Auslösung zu besonderer Vorsicht raten. Ziemlich unabhängig von der Befolgung eines solchen (völlig unsinnigen) Rates wird der Mensch nun zu dem berechneten Zeitpunkt in eine Situation geraten, in der er das vermiedene Problem »Energie-Widerstand« als Opfer kennenlernen wird. Eine mögliche, den Urprinzipien analoge Möglichkeit dafür wäre zum Beispiel, daß er mit seinem Auto mit 180 Stundenkilometern gegen einen Baum rast. Nun hat er erfahren, was Energie (180 Stundenkilometer) und Widerstand (Baum) ist. Er hat diese Urprinzipien kennengelernt.
Aus solchen Ereignissen wird immer gelernt, wenn auch nicht mit der erwünschten Vollständigkeit. Ein solches Ereignis scheint einen Astrologen zu berechtigen, von einer gefährlichen und negativen Konstellation zu sprechen – aber in Wirklichkeit wurde eine völlig neutrale Konstellation in einem ganz bestimmten Fall für einen Menschen gefährlich, weil er sich sträubte, die Aufgabe bewußt zu erfüllen.
Wie sieht eine solche bewußte Lösung aus? Man müßte sich nach einer Tätigkeit oder Beschäftigung umsehen, bei der man die beschriebenen Prinzipien (Energie/Widerstand) auf einer beliebigen Ebene der Wirklichkeit ständig verwirklichen kann. In unserem Beispiel bietet sich hierzu die Sportart Karate an. Bei diesem Sport lernt man Schläge von enorm hoher Intensität auszuführen und diese mit millimetergenauer Exaktheit vor dem Ziel abzustoppen, da solche Schläge sonst für den Kampfpartner tödlich wären. Die ungeheure Wucht dieser Hand- und Fußschläge wird häufig auch dadurch demonstriert, daß mit der bloßen Hand Ziegelsteine oder Bretter durchschlagen werden.
      Die beiden hervorstechendsten Merkmale dieses Sportes sind also die hochenergetischen Schläge und die große Exaktheit, mit der die Schläge kontrolliert werden. Karate entspricht demnach genau unserer Konstellation »Mars-Saturn«. Die an sich richtungslose Energie des Mars findet hier die Struktur des Saturn. Erlernt der Mensch zum Beispiel diese Sportart, so verwirklicht er durch das tägliche Training ständig seine Konstellation. Er lernt die Problematik durch eigene Erfahrung und Auseinandersetzung immer besser kennen – wodurch sich diese Erkenntnis von selbst auch auf die anderen Ebenen des Seins überträgt.
      Dieser Mensch braucht vor der Auslösung der Konstellation keine Angst zu haben. Er wird mit seinem Auto nicht gegen einen Baum rasen, auch wenn er mit 180 Stundenkilometern fährt. Auch für ihn wird sich diese Konstellation zum entsprechenden Zeitpunkt zeigen, ihn jedoch nicht gefährden. So könnte es sein, daß er zu diesem Zeitpunkt Sieger in einem Karatekampf wird, einen neuen Dan erhält oder ähnliches. An diesem Beispiel sollte klarwerden, wie weit die Einlösung der Aufgabe determiniert ist und wie die Wahlmöglichkeit zwischen dem unbewußten und bewußten Weg aussieht. Dem Schicksal kommt es lediglich auf das Endergebnis an, nicht auf den Weg. Wichtig ist die Erreichung des Lernzieles, nicht, wie viele Leiden sich der Mensch auf seinem Weg durch die ständige Weigerung zu lernen aufbürdet........
............Schicksalsschläge und Krankheit sind fast immer nur der passive Aspekt eines nicht freiwillig wahrgenommenen Lernprozesses. Die Kurzformel heißt: Wer nicht lernt, leidet. Der Mensch stellt im allgemeinen sehr eigenartige Anforderungen an das Leben und an sein Schicksal. Er benimmt sich so, als hätte er ein Anrecht darauf, daß es ihm gutgehe, er reich, gesund und glücklich sei. Welch groteske Verkennung der Wirklichkeit! Woher leitet der Mensch diesen Anspruch ab?
Der Mensch wird nicht in diese Welt inkarniert, um in Faulheit den Schein der Sonne zu genießen, sondern um sich zu entwickeln und nach seinen Fähigkeiten der Welt zu dienen. Wer dies bewußt tut, wird auch das Glück finden. Das Gesagte hat keinen lebensverneinenden Unterton, sondern will lediglich die Priorität verlagern.
     Der Mensch ist immer auf der Suche nach dem Glück. Das ist nicht nur sein Recht, sondern die tiefste Triebfeder seines Handelns. Doch die eingeschlagenen Wege sind größtenteils sehr ungeeignet, das Suchen zu einem Erfolg zu führen. Der Mensch sucht etwas, was er Glück nennt, ohne genaue Vorstellung davon zu haben, was dieses Glück denn eigentlich ist. So identifiziert man irgendwelche Dinge in der Außenwelt mit diesem ersehnten Glücksgefühl und meint, wenn man erst im Besitz dieser Dinge sei, wäre man auch glücklich.
     Jetzt beginnt eine endlose und sinnlose Jagd. Denn immer, wenn man den ersehnten Glücksträger erreicht hat, entpuppt er sich als unzulänglich, das angestrebte Glück zu vermitteln. Wer Hunger hat, glaubt, er wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn er satt zu essen hätte. Man gebe ihm die ersehnte Nahrung, und er wird glauben, daß er die Vollkommenheit des Glücks erst erlangen kann, wenn er auch eine Wohnung hat. Hat er die Wohnung, sehnt er sich nach einem eigenen Haus mit Garten. Bekommt er es, braucht er zum Glücklichsein noch Ruhm und Anerkennung. Hat er auch dieses erreicht, hindert ihn leider eine chronische Krankheit am Glück. Ist die Krankheit kuriert, fühlt er sich einsam und braucht »nur« noch Menschen, um glücklich zu sein. »Zum Glück« erlöst ihn dann der Tod vorübergehend von dieser mühevollen Jagd nach dem Glück.
     Der Fehler liegt in der Meinung, daß Glück von äußeren Dingen abhängig sei. Man übersieht, daß äußere Dinge nur so lange reizvoll sind, solange man sie nicht hat. Glück kann man nicht jagen, nicht besitzen. Glücklich kann man nur sein. Glück ist ein Zustand des Bewußtseins, der Seele, weshalb man auch von »Glückseligkeit« spricht. Glück ist völlig unabhängig von der Außenwelt. Glück wächst dort, wo der Mensch in Harmonie mit der Welt kommt. Glück wächst dort, wo der Mensch sich seiner Aufgabe bewußt wird und die Gnade erkennt, dienen zu dürfen.
     Leid ist der Gegenpol von Glück und deshalb letztlich doch das gleiche. Das Leid sorgt »zum Glück des Menschen« dafür, daß er sich nicht für immer in Irrwegen verläuft. Das Leid sorgt dafür, daß der Mensch die Suche nicht aufgibt, verhindert den Stillstand. Leid ist immer ein Umweg, und somit dennoch ein Weg.

......2003......wird fortgesetzt mit dem Thema:

Astrologie auf dem Boden der Reinkarnation      

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Leseprobe2   
noch ein Zitat aus 'Schicksal als Chance' 
Seite 74 bis 87

von Thorwald Dethlefsen
Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen

Seite 74
Die Aussöhnung

Lernt der Mensch die erste wichtige Regel, daß alles, was ist, gut ist, weil es ist, so kehrt immer mehr Ruhe und Frieden in ihm ein. Erst in dieser Ruhe lernt er die Dinge zu betrachten, und sie werden ihm ihren Sinn offenbaren. Man löst sich allmählich von den fixen Ideen, für oder gegen etwas kämpfen zu müssen, ohne dadurch untätig zu werden. Der Mensch nämlich, der glaubt,  durch seine Aktivität die Welt verändern zu können, merkt meist nicht, daß er in Wirklichkeit Sklave der Verhältnisse geworden, die ihn verändern.

Wahre Aktivität entsteht aus der Ruhe. Es ist ein Zeichen der Reife, wenn ein Mensch etwas geschehen lassen kann, ohne sofort eingreifen zu wollen. An dieser Stelle beginnen die meisten Menschen schon wieder zu rebellieren. Man glaubt bei der Befolgung dieser Regel seine "Cleverness" einzubüßen, der Spielball der anderen zu werden, hoffnungslos unterzugehen. Man möchte nicht verzichten auf die liebgewordenen Kämpfe und sich wehren, man möchte es weiterhin den anderen zeigen, "wer-man-ist", möchte Macht ausüben. Auch Petrus konnte es nicht lassen, bei der Gefangennahme im Garten Gethsemane das Schwert zu ziehen, und bewies nur, daß er die Lehren seines Meisters noch nicht vollständig begriffen hatte. Wer nicht bereit ist, mit den Dingen der Wirklichkeit in Harmonie zu leben, dem bleibt das Tor zum esoterischen Pfad verschlossen.

Die meisten Menschen schleppen aus der Vergangenheit eine große Last mit sich herum, bestehend aus Ereignissen und Personen der zurückliegenden Jahre, mit denen man in Fehde lag und liegt. Diesen Ballast abzubauen, dient folgende Übung: Man setze oder lege sich in einer stillen Stunde entspannt hin, schließe die Augen und lasse vor dem inneren Auge vergangene Situationen auftauchen, von denen man der Meinung ist, es wäre besser gewesen, diese Situationen nicht erlebt zu haben. Diese "negativen" Situationen des Schicksals schaue man sich samt den Personen an, von denen man glaubt, sie hätten einem Unrecht getan und es wäre besser gewesen, man wäre ihnen niemals begegnet. Während man ein solches Ereignis und die dazugehörenden Menschen innerlich wieder betrachtet, mache man sich bewußt, daß all dies eine gesetzmäßige Stufe auf dem ganz persönlichen Schicksalsweg war und man ohne dieses Ereignis heute nicht da wäre, wo man ist. Man versuche die Sinnhaftigkeit des Geschehens zu begreifen, um so langsam dafür dankbar zu werden, daß alles so war, wie es war.

Erst wenn es gelingt, von innen heraus dem Ereignis und den beteiligten Personen zuzulächeln und ihnen zu danken, daß sie bereit waren, bei der Schicksalsverwirklichung mitzuhelfen, erst dann gehe man auf ein weiteres Ereignis über, um damit ebenso zu verfahren. Die einzelnen Ereignisse lasse man einfach von selbst aufsteigen, man braucht nicht mit dem Intellekt danach zu suchen. Man nehme auch alle Ereignisse an, die sich bei dem Gedanken "Ereignisse, mit denen ich auf Kriegsfuß stehe" auftauchen, ohne etwas zurückzudrängen, weil man glaubt, "damit doch schon längst ausgesöhnt zu sein".

Man braucht diese Übung, die anfänglich manchem recht schwer fallen mag, nur immer zu wiederholen, um selbst zu erleben, daß etwas in einem leichter wird, daß ein innerlicher Druck verschwindet. Solange man sich nämlich mit aller Kraft gegen eine Wand stemmt, spürt man, wie die Wand mit gleicher Intensität zurückdrückt. Verstärkt man den eigenen Druck, drückt auch die Wand stärker. Die Lösung besteht darin, die Hände von der Wand wegzunehmen. Der Druck der Wand wird dann ganz von selbst verschwinden. Der Vergleich mag banal klingen, und dennoch stehen fast alle Menschen an irgendeiner Wand, drücken mit allen Kräften und beschweren sich gleichzeitig lautstark über den Druck der Wand. Eigene Widerstände aufzugeben, ist theoretisch so einfach, fällt aber dem Menschen unglaublich schwer. Denn alle Menschen sind zutiefst davon überzeugt, daß sie, um im Bilde zu bleiben, gegen diese Wand drücken müssen, weil "die Wand gegen sie drückt", und daß beim Nachlassen des eigenen Widerstandes die Wand unweigerlich über sie stürzen müsse. Hier liegt aber die Täuschung. Man probiere bitte selbst das Beispiel mit der Wand aus, um das Problem gänzlich zu verstehen. Tatsächlich hat man den Eindruck, die Wand würde gegen einen drücken, weshalb man sich gezwungen fühlt, den eigenen Druck zu erhöhen. Um die Täuschung zu durchschauen, muß man den Mut haben, loszulassen. Wer die Existenzberechtigung der Wand anerkennt, braucht nicht gegen sie zu drücken und wird auch nicht von ihr belästigt.


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Die Projektion der Schuld

Dieses Problem ist von unübersehbarer Tragweite. Die Menschheit hat es sich zur Angewohnheit gemacht, für alles, was nicht sein dürfte, Entschuldigungen in der Außenwelt zu suchen. Von den Familienmitgliedern bis zur Regierung, von den Zeitumständen bis zur Gesellschaft reicht die Skala der Schuldigen, denen der einzelne die Verantwortung für sein Schicksal aufbürden will. Diese Projektion der Schuld wurde sogar zu Wissenschaften erhoben, die unter dem Titel Psychologie und Soziologie den kollektiven Irrtum sanktionieren.

Alle sprechen davon, wie die Umweltfaktoren den Menschen beeinflussen und prägen. Psychoanalyse und Urschrei suchen die Ursachen einer neurotischen Störung in der Kindheit, in Erziehungsstil und traumatischen Eltern-Kind-Situationen. Es wird nicht mehr lange dauern, daß man offiziell in der Psychotherapie die Regressionsmethoden übernimmt, und man wird dann auf einmal die Ursachen in den pränatalen Erlebnissen zu finden glauben.

So unterschiedlich die vielen Behandlungsmethoden und Theorien auch sein mögen, alle zeigen doch eine Gemeinsamkeit: Man sucht nach den Ursachen einer Situation oder einer Störung immer in der Außenwelt. Läßt man sich von einem einzelnen sein Schicksal berichten, so wird er zu jeder Situation gleichzeitig angeben, welche Personen oder welcher Umstand daran schuld sind.

Es wird sehr schwer sein, im Zeitalter der Soziologenschwemme das Märchen von der Umweltbeeinflussung aus der Welt zu schaffen. Denn jede Theorie, welche die Schuldprojektion erlaubt, findet mit Gewißheit stets die absolute Mehrheit. Was die Esoterik zu diesem Thema anzubieten hat, ist weit weniger schmackhaft und praktisch, doch als Gegenleistung zeigt sie dem einzelnen, wie er sein Schicksal tatsächlich verändern kann, zeigt sie ihm einen Weg aus der Krankheit und hält somit das, was alle anderen nur versprechen können.

Es gibt keine Umwelteinflüsse, die den Menschen formen, es ist nicht die Erziehung, die den späteren Menschen prägt, es gibt keine Schuldigen für das Schicksal des einzelnen. Es gibt keine Bakterien oder Viren, die Krankheit erzeugen. Alle, die nun glauben, sie hätten exakte Beweise für die soeben abgestrittenen Behauptungen, irren in einem Punkt: Alles, was man für Beweise hält, stützt sich auf Beobachtungen von Zusammenhängen, sind lediglich Korrelationen. Diese Korrelationen sagen aus, daß beim Auftreten einer bestimmten Infektionskrankheit immer ein bestimmter Virus vorzufinden ist, daß bei einem kriminellen Jugendlichen die Familienverhältnisse bestimmte Züge aufweisen, daß bei einer bestimmten neurotischen Störung immer Mutterprobleme vorzufinden sind. Diese Korrelationen stimmen noch, denn sie sagen nur aus, daß immer, wenn das eine auftritt, das andere auch zu finden ist.

Hier folgt nun der beliebte nächste Schritt in der Wissenschaft, der völlig unwissenschaftlich ist: die Interpretation als Kausalität. Aus dem beobachteten "immer wenn, dann auch" macht man unter der Hand ein "des-wegen-weil". Doch genau diese Transformation der Ergebnisse stimmt nicht mehr. Daß bei einer bestimmten Krankheit bestimmte Viren anwesend sind, sei unbestritten, aber über den daraus abgeleiteten Glauben, diese Viren seien die Ursachen der Krankheit, werden spätere Generationen genauso herzhaft lachen wie wir über die Scheibentheorie der Erde. Es ist also doch nicht so leicht, unsere Behauptung, es gäbe keine Beeinflussung durch die Umwelt, zu widerlegen.

Das Resonanzgesetz

Wir alle kennen aus der Physik den Begriff der Resonanz (lateinisch: resonare = zurückklingen). Eine Stimmgabel schwingt bei einem Ton nur dann mit, wenn der Ton ihrer Eigenfrequenz entspricht. Ist dies nicht der Fall, dann ist der Ton für die Stimmgabel gar nicht vorhanden, denn sie kann ihn nicht wahrnehmen. Ein Radioempfänger, der auf Mittelwelle abgestimmt ist, wird auf Grund seiner Resonanz nur Mittelwelle empfangen. UKW und Langwelle kann er nicht kennenlernen, sie gehören deshalb auch nicht zu seinem "Weltbild". Ebenso braucht der Mensch für jede Wahrnehmung in sich selbst eine Entsprechung, die in der Lage ist, "mitzuschwingen" und ihm durch diese Resonanz erst die Wahrnehmung ermöglicht. Goethe formuliert dies in dem Satz: "Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt uns Göttliches entzücken?" Diese Formulierung Goethes verläßt bereits die rein physikalische Ebene der Resonanzfähigkeit und überträgt damit das Gesetz der Resonanz analog auf das Gebiet, welches uns hier interessiert.

Jeder Mensch kann immer nur jene Bereiche der Wirklichkeit wahrnehmen, für die er eine Resonanzfähigkeit besitzt. Dies gilt nicht nur für den Bereich der rein sinnlichen Wahrnehmung, sondern für die gesamte Erfassung der Wirklichkeit. Da alles, was außerhalb der eigenen Resonanzfähgikeit liegt, nicht wahrgenommen werden kann,  existiert es auch für den betreffenden Menschen nicht. Deshalb glaubt jeder Mensch, daß er die Gesamtheit der Wirklichkeit kennt und es außerhalb dessen nichts mehr gebe. Wenn jemand ein Buch liest, glaubt er, das Buch ganz zu verstehen, obwohl er nur jeweils von dem Gelesenen das aufnehmen kann, was sich mit seinem derzeitigen Bewußtseinsstand in Einklang befindet. Daß dies so ist, erkennt man am besten, wenn man bestimmte Bücher nach Jahren noch einmal liest. Das Bewußtsein hat sich in diesen Jahren erweitert, weshalb man nun das Buch "noch besser" versteht.

All die geschilderten Zusammenhänge sind wohl jedem einigermaßen geläufig und einsichtig und sollen deshalb auch nur zur Verdeutlichung des Prinzips dienen, das wir nun ebenfalls auf das Schicksal im Allgemeinen anwenden wollen. Man kann immer nur mit den Ideen, Menschen und Situationen in Berührung kommen, für die wir eine Eigenresonanz oder, wie wir es in Zukunft nennen wollen, eine Affinität mitbringen. Ohne die entsprechende Affinität kann es niemals zu einer Manifestation kommen. Gerät jemand in einen Streit oder in eine Schlägerei, so geschieht dies niemals zufällig, sondern immer nur auf Grund der eigenen Affinität zu einem solchen Erlebnis. Die Schuld für die etwaigen Folgen einer solchen Schlägerei trägt demnach auch der, der von sich annimmt, daß er ganz unschuldig in diese Rauferei verwickelt worden sei. Ohne die entsprechende Affinität hätte er aber gar nicht verwickelt werden können. Wird jemand auf der Straße angefahren, so ändert auch die rein rechtliche und funktionale Schuld des anderen nichts an der Tatsache, daß der Angefahrene für dieses Erlebnis reif war, sonst hätte dieses Ereignis nicht in seinen Erfahrungsbereich treten können.

Die Umwelt als Spiegel

Ich weiß, daß diese Betrachtung anfänglich sehr ungewohnt ist, doch sollte die Gewohnheit einer Aussage nicht unbedingt als Kriterium für Richtigkeit angesehen werden. Die sogenannte Umwelt ist in Wirklichkeit ein Spiegel, in dem jeder Mensch lediglich sich selbst erlebt. Er kann niemals etwas anderes als sich selbst erblicken, weil er aus der wahren, objektiven, für alle Menschen gleichen Gesamtwirklichkeit nur jenes herausfiltert, für was er selbst eine Affinität hat. Wer sich dieser Tatsachen nicht bewußt ist, verfällt zwangsläufig in irrtümliche Verhaltensweisen.

Wenn ich am Morgen in den Spiegel schaue und in diesem Spiegel ein Gesicht erblicke, das mich unfreundlich anblickt, so kann ich dieses Gesicht wegen seiner Unfreundlichkeit kräftig beschimpfen. Davon läßt sich das Gesicht im Spiegel jedoch keinesfalls beeindrucken, sondern schimpft vielmehr kräftig mit. Auf diese Weise ist es eine Leichtigkeit, sich weiterhin gegenseitig zu eskalieren, bis ich schließlich in das verbissene Gesicht schlage und den Spiegel zertrümmere. Mit dem Badezimmerspiegel wird jedoch niemand dieses Spiel treiben, weil wir uns seiner Spiegelfunktion bewußt sind. Doch fast alle Menschen zelebrieren im täglichen Leben den beschriebenen Vorgang mit Verbissenheit. Sie kämpfen gegen ihre Feinde in der Umwelt, gegen die bösen Nachbarn und Verwandten, gegen die Ungerechtigkeiten ihrer Vorgesetzten, gegen die Gesellschaft und vieles mehr.

Alle kämpfen in Wirklichkeit nur gegen sich selbst. Deshalb gibt es auch überall nur Verlierer, keine Gewinner, denn gegen wen sollte man bei einer Spiegelfechterei gewinnen? Das Gesetz der Resonanz und der Spiegelung gilt natürlich im Positiven wie im Negativen.

Wenn wir bei unseren Betrachtungen fast ausschließlich negative Beispiele zitieren, so deshalb, weil das Leiden des Menschen aus diesen Bereichen erwächst. Mit den positiven Seiten des Schicksals werden die meisten ohnehin recht gut fertig. Wird sich der Mensch der Spiegelfunktion seiner Umwelt bewußt, so erwächst ihm hieraus eine ungeahnte Informationsquelle. Auch wenn man im Spiegel immer nur sich selbst sehen kann, so benutzen wir doch einen Spiegel deshalb, weil er uns Teile von uns selbst sagen kann, deren Anblick für uns ohne dieses Hilfsmittel unmöglich wäre.

So ist auch die Beobachtung der eigenen Umwelt und der Ereignisse, mit denen man konfrontiert wird, eine der besten Methoden zur Selbsterkenntnis, denn alles, was in der Außenwelt stört, zeigt lediglich an, daß man selbst mit dem analogen Prinzip in sich selbst noch nicht ausgesöhnt ist. Dies will der Mensch ungern wahrhaben. Doch die Tatsache, daß sich jemand über den Geiz eines anderen aufregt, zeigt mit Gewißheit an, daß er selbst geizig ist. Sonst könnte es ihn doch nicht stören. Wenn er selbst großzügig ist, was kümmert ihn dann der Geiz anderer? Er könnte ihn als Tatsache hinnehmen, ohne sich darüber aufzuregen und sich gestört zu fühlen.

Bei nüchterner Betrachtung sind alle Dinge so, wie sie sind. Gras ist eben grün - natürlich wäre es denkbar, daß es rot wäre, aber es ist eben grün, und dies wird schon seinen Sinn haben. Über das Grün des Grases regt sich auch niemand auf, da es keine Problematik im Menschen anspricht. Daß es in der Welt Krieg gibt, ist ebenso wie das Grün der Wiese eine Tatsache. Doch darüber erregen sich bereits die Gemüter; und so beginnt man, für den Frieden zu kämpfen. Für alles "kämpft" man: für Frieden, Gerechtigkeit, Gesundheit, Menschlichkeit.

Doch wäre es viel einfacher und erfolgreicher, den Frieden in sich selbst herzustellen. Hier liegt wieder einer der mächtigsten Schlüssel für den, der ihn anzuwenden weiß. Jeder Mensch ist in der Lage, die gesamte Welt nach seiner Vorstellung zu verändern und zu gestalten, ganz ohne Kampf und äußere Macht. Der Mensch braucht nur sich selbst zu ändern, und siehe, die ganze Welt verändert sich mit ihm. Wenn ich im Spiegel das unfreundliche Gesicht sehe, brauche ich nur zu lächeln - und es wird zurücklächeln, mit Sicherheit! Alle wollen immer die Welt verändern, doch keiner wendet die Mittel an, die allein zum Erfolg führen. Wer seine Affinität ändert, empfängt ein neues Programm, sieht eine andere Welt.

Jeder Mensch lebt in seiner "Welt". Von diesen Welten gibt es genauso viele, wie es Menschen gibt. All diese Welten sind nur Ausschnitte, Aspekte der wirklichen Welt, die ehernen Gesetzen folgt und sich nicht von den Veränderungsrufen der Menschen beeindrucken läßt. Die Außenwelt ist die zuverlässigste Informationsquelle über die eigene Situation, in der man sich gerade befindet. Wenn der Mensch lernt, alles, was ihm geschieht, nach seiner Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, so wird er nicht nur sich und seine Probleme immer besser kennenlernen, sondern auch die Möglichkeiten für Veränderungen entdecken.

Bei allem, was dem Menschen widerfährt, sollte er sich sofort fragen: "Warum geschieht gerade mir, gerade jetzt, gerade dies?" Solange man diese Fragestellung nicht gewohnt ist, mag auch das Auffinden der Antwort schwierig erscheinen. Doch auch hier macht Übung den Meister, und schon bald lernt man, die Sinnhaftigkeit der Ereignisse zu erkennen und zu sich selbst in Beziehung zu setzen.

Es gibt in der Psychopathologie den Begriff des "sensitiven Beziehungswahns", der die Eigenart der meist an Schizophrenie erkrankten Menschen beschreibt, alles Geschehen der Welt wahnhaft auf die eigene Person zu beziehen. Zu diesem krankhaften Pol des sensitiven Beziehungswahns gibt es jedoch einen positiven Pol, den wir das "sensitive Beziehungsdenken" nennen wollen. Alles, was geschieht, hat für den Erlebenden eine Bedeutung.

Je bewußter der Mensch wird, um so mehr lernt er die Dinge einzuordnen, nach ihrer Information zu hinterfragen. So bleibt die wichtigste Forderung, mit allem, was ist, in Harmonie zu gehen. Gelingt dies einmal nicht, so suche man in sich selbst den Grund. Der Mensch ist der Mikrokosmos und daher ein genaues Abbild des Makrokosmos. Alles, was ich außen wahrnehme, finde ich auch in mir.

Bin ich in mir mit den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit in Harmonie, so können mich auch deren Repräsentanten in der Außenwelt nicht stören. Geschieht etwas für mich Unangenehmes, so ist dies lediglich eine Aufforderung, mich auch noch diesem Bereich in meinem Inneren zuzuwenden.

All die bösen Menschen und die unliebsamen Ereignisse sind in Wirklichkeit nur Boten, sind Medien, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Wer dies begreift und bereit ist, die Verantwortung für sein Schicksal selbst zu übernehmen, verliert alle Angst vor dem bedrohenden Zufall.

Die Hauptbeschäftigung unserer Zeit ist die Vorsorge und Absicherung gegen die Eventualitäten des Schicksals. Von der Versicherung bis zum Sozialismus reichen die Absicherungssysteme, die nur ein Ziel haben: durch äußere Maßnahmen Eingriffe des Schicksals zu verhindern oder zu verändern. Hinter all diesen Bestrebungen steht die Angst. Doch erst wenn der Mensch bereit ist, sich selbstverantwortlich dem Schicksal zu stellen, verliert er die Angst. Man kann nicht versehentlich ermordet werden, nicht versehentlich reich werden.

Beides kann sich nur dann manifestieren, wenn man dazu reif ist und die entsprechende Affinität besitzt. Die Menschen streben nach Reichtum und versäumen dabei, sich für den Reichtum reif zu machen. Die esoterisch Interessierten suchen in aller Welt nach dem richtigen Guru und den besten Systemen und vergessen, daß der Guru (= der Begleiter, Anmerkung von hgk) von selbst zu dem kommt, der dazu reif ist.

Es genügt, daß man etwas wirklich braucht, und man wird es bekommen. Im Kleinen werden viele dieses Gesetz schon häufig erlebt haben. Irgendwann im Leben wird man plötzlich mit irgendeinem Thema konfrontiert, dessen Existenz man bisher gar nicht beachtete, ja kaum vermutete. So lernt man beispielsweise einen Spezialisten über das "Liebesleben der Ameisen" kennen. Man wundert sich noch darüber, daß es überhaupt einen Menschen gibt, der sich für ein so ausgefallenes Thema interessiert, da bekommt man von anderer Seite "zufällig" ein Buch über genau dieses Thema geschenkt. In einer Illustrierten liest man ebenfalls über dieses Thema und stellt beim nächsten Besuch fest, daß ein guter Bekannter, den man schon Jahre kennt, sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt - aber früher noch nie darüber sprach.

Hinter dieser "Zufallskette", die die meisten schon einmal in irgendeiner Form erlebten, steckt nichts anderes als das Affinitäts- oder Resonanzgesetz. Auf diese Weise bekommt man mit Sicherheit jedes Buch, jede Information, jeden Kontakt, den man braucht - wenn man ihn wirklich braucht und reif für diese Begegnung ist. Ohne diese notwendige Reife nützt alles Suchen und Streben im Außenraum nichts.

Wer sich selbst verändert, ändert die Welt. Es gibt in dieser Welt nichts zu verbessern, aber sehr viel an sich selbst. Der esoterische Weg ist ein Weg der steten Wandlung, der Veredelung von Blei zu Gold. Der Weise ist mit allen Bereichen des Seins in Harmonie und lebt deshalb in der besten aller möglichen Welten. Er sieht die Wirklichkeit und erkennt, daß alles, was ist, gut ist. Er sucht nicht mehr nach dem Glück, er hat es gefunden - in sich selbst.

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