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Leseprobe2
noch ein Zitat aus
'Schicksal
als Chance'
Seite 74 bis 87
von Thorwald Dethlefsen
Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen
Seite 74
Die Aussöhnung
Lernt der Mensch die erste wichtige Regel, daß
alles, was ist, gut ist, weil es ist, so kehrt immer mehr Ruhe und Frieden in ihm
ein. Erst in dieser Ruhe lernt er die Dinge zu betrachten, und sie werden ihm ihren Sinn
offenbaren. Man löst sich allmählich von den fixen Ideen, für oder gegen etwas kämpfen
zu müssen, ohne dadurch untätig zu werden. Der Mensch nämlich, der glaubt, durch
seine Aktivität die Welt verändern zu können, merkt meist nicht, daß er in
Wirklichkeit Sklave der Verhältnisse geworden, die ihn verändern.
Wahre Aktivität entsteht aus der Ruhe. Es ist ein
Zeichen der Reife, wenn ein Mensch etwas geschehen lassen kann, ohne sofort eingreifen
zu wollen. An dieser Stelle beginnen die meisten Menschen schon wieder zu rebellieren.
Man glaubt bei der Befolgung dieser Regel seine "Cleverness" einzubüßen, der
Spielball der anderen zu werden, hoffnungslos unterzugehen. Man möchte nicht verzichten
auf die liebgewordenen Kämpfe und sich wehren, man möchte es weiterhin den anderen
zeigen, "wer-man-ist", möchte Macht ausüben. Auch Petrus konnte es nicht
lassen, bei der Gefangennahme im Garten Gethsemane das Schwert zu ziehen, und bewies
nur, daß er die Lehren seines Meisters noch nicht vollständig begriffen hatte. Wer nicht
bereit ist, mit den Dingen der Wirklichkeit in Harmonie zu leben, dem bleibt das Tor zum
esoterischen Pfad verschlossen.
Die meisten Menschen schleppen aus der Vergangenheit
eine große Last mit sich herum, bestehend aus Ereignissen und Personen der
zurückliegenden Jahre, mit denen man in Fehde lag und liegt. Diesen Ballast abzubauen,
dient folgende Übung: Man setze oder lege sich in einer stillen Stunde entspannt hin,
schließe die Augen und lasse vor dem inneren Auge vergangene Situationen auftauchen, von
denen man der Meinung ist, es wäre besser gewesen, diese Situationen nicht erlebt zu
haben. Diese "negativen" Situationen des Schicksals schaue man sich samt den
Personen an, von denen man glaubt, sie hätten einem Unrecht getan und es wäre besser
gewesen, man wäre ihnen niemals begegnet. Während man ein solches Ereignis und die
dazugehörenden Menschen innerlich wieder betrachtet, mache man sich bewußt, daß all
dies eine gesetzmäßige Stufe auf dem ganz persönlichen Schicksalsweg war und man
ohne dieses Ereignis heute nicht da wäre, wo man ist. Man versuche die Sinnhaftigkeit des
Geschehens zu begreifen, um so langsam dafür dankbar zu werden, daß alles so war, wie es
war.
Erst wenn es gelingt, von innen heraus dem Ereignis
und den beteiligten Personen zuzulächeln und ihnen zu danken, daß sie bereit
waren, bei der Schicksalsverwirklichung mitzuhelfen, erst dann gehe man auf ein weiteres
Ereignis über, um damit ebenso zu verfahren. Die einzelnen Ereignisse lasse man einfach
von selbst aufsteigen, man braucht nicht mit dem Intellekt danach zu suchen. Man nehme
auch alle Ereignisse an, die sich bei dem Gedanken "Ereignisse, mit denen ich auf
Kriegsfuß stehe" auftauchen, ohne etwas zurückzudrängen, weil man glaubt,
"damit doch schon längst ausgesöhnt zu sein".
Man braucht diese Übung, die
anfänglich manchem recht schwer fallen mag, nur immer zu wiederholen, um selbst zu erleben,
daß etwas in einem leichter wird, daß ein innerlicher Druck verschwindet. Solange
man sich nämlich mit aller Kraft gegen eine Wand stemmt, spürt man, wie die Wand mit
gleicher Intensität zurückdrückt. Verstärkt man den eigenen Druck, drückt auch die
Wand stärker. Die Lösung besteht darin, die Hände von der Wand wegzunehmen. Der Druck
der Wand wird dann ganz von selbst verschwinden. Der Vergleich mag banal klingen, und
dennoch stehen fast alle Menschen an irgendeiner Wand, drücken mit allen Kräften und
beschweren sich gleichzeitig lautstark über den Druck der Wand. Eigene Widerstände
aufzugeben, ist theoretisch so einfach, fällt aber dem Menschen unglaublich schwer. Denn
alle Menschen sind zutiefst davon überzeugt, daß sie, um im Bilde zu bleiben, gegen
diese Wand drücken müssen, weil "die Wand gegen sie drückt", und daß beim
Nachlassen des eigenen Widerstandes die Wand unweigerlich über sie stürzen müsse. Hier
liegt aber die Täuschung. Man probiere bitte selbst das Beispiel mit der Wand aus,
um das Problem gänzlich zu verstehen. Tatsächlich hat man den Eindruck, die Wand würde
gegen einen drücken, weshalb man sich gezwungen fühlt, den eigenen Druck zu erhöhen. Um
die Täuschung zu durchschauen, muß man den Mut haben, loszulassen. Wer die
Existenzberechtigung der Wand anerkennt, braucht nicht gegen sie zu drücken und wird auch
nicht von ihr belästigt.

Die Projektion der Schuld
Dieses Problem ist von unübersehbarer Tragweite.
Die Menschheit hat es sich zur Angewohnheit gemacht, für alles, was nicht sein dürfte, Entschuldigungen
in der Außenwelt zu suchen. Von den Familienmitgliedern bis zur Regierung, von den
Zeitumständen bis zur Gesellschaft reicht die Skala der Schuldigen, denen der einzelne
die Verantwortung für sein Schicksal aufbürden will. Diese Projektion der Schuld wurde
sogar zu Wissenschaften erhoben, die unter dem Titel Psychologie und Soziologie den
kollektiven Irrtum sanktionieren.
Alle sprechen davon, wie die Umweltfaktoren den
Menschen beeinflussen und prägen. Psychoanalyse und Urschrei suchen die Ursachen einer
neurotischen Störung in der Kindheit, in Erziehungsstil und traumatischen
Eltern-Kind-Situationen. Es wird nicht mehr lange dauern, daß man offiziell in der
Psychotherapie die Regressionsmethoden übernimmt, und man wird dann auf einmal die
Ursachen in den pränatalen Erlebnissen zu finden glauben.
So unterschiedlich die vielen Behandlungsmethoden
und Theorien auch sein mögen, alle zeigen doch eine Gemeinsamkeit: Man sucht nach den
Ursachen einer Situation oder einer Störung immer in der Außenwelt. Läßt man sich von
einem einzelnen sein Schicksal berichten, so wird er zu jeder Situation gleichzeitig
angeben, welche Personen oder welcher Umstand daran schuld sind.
Es wird sehr schwer sein, im Zeitalter der
Soziologenschwemme das Märchen von der Umweltbeeinflussung aus der Welt zu schaffen.
Denn jede Theorie, welche die Schuldprojektion erlaubt, findet mit Gewißheit stets die
absolute Mehrheit. Was die Esoterik zu diesem Thema anzubieten hat, ist weit weniger
schmackhaft und praktisch, doch als Gegenleistung zeigt sie dem einzelnen, wie er sein
Schicksal tatsächlich verändern kann, zeigt sie ihm einen Weg aus der Krankheit und
hält somit das, was alle anderen nur versprechen können.
Es gibt keine Umwelteinflüsse, die den Menschen
formen, es ist nicht die Erziehung, die den späteren Menschen prägt, es gibt keine
Schuldigen für das Schicksal des einzelnen. Es gibt keine Bakterien oder Viren, die
Krankheit erzeugen. Alle, die nun glauben, sie hätten exakte Beweise für die soeben
abgestrittenen Behauptungen, irren in einem Punkt: Alles, was man für Beweise hält,
stützt sich auf Beobachtungen von Zusammenhängen, sind lediglich Korrelationen.
Diese Korrelationen sagen aus, daß beim Auftreten einer bestimmten Infektionskrankheit
immer ein bestimmter Virus vorzufinden ist, daß bei einem kriminellen Jugendlichen die
Familienverhältnisse bestimmte Züge aufweisen, daß bei einer bestimmten neurotischen
Störung immer Mutterprobleme vorzufinden sind. Diese Korrelationen stimmen noch, denn sie
sagen nur aus, daß immer, wenn das eine auftritt, das andere auch zu finden ist.
Hier folgt nun der beliebte nächste Schritt in
der Wissenschaft, der völlig unwissenschaftlich ist: die Interpretation als
Kausalität. Aus dem beobachteten "immer wenn, dann auch" macht man unter der
Hand ein "des-wegen-weil". Doch genau diese Transformation der Ergebnisse stimmt
nicht mehr. Daß bei einer bestimmten Krankheit bestimmte Viren anwesend sind, sei
unbestritten, aber über den daraus abgeleiteten Glauben, diese Viren seien die
Ursachen der Krankheit, werden spätere Generationen genauso herzhaft lachen wie wir über
die Scheibentheorie der Erde. Es ist also doch nicht so leicht, unsere Behauptung, es
gäbe keine Beeinflussung durch die Umwelt, zu widerlegen.
Das Resonanzgesetz
Wir alle kennen aus der Physik den Begriff der
Resonanz (lateinisch: resonare = zurückklingen). Eine Stimmgabel schwingt bei einem Ton
nur dann mit, wenn der Ton ihrer Eigenfrequenz entspricht. Ist dies nicht der Fall, dann
ist der Ton für die Stimmgabel gar nicht vorhanden, denn sie kann ihn nicht wahrnehmen.
Ein Radioempfänger, der auf Mittelwelle abgestimmt ist, wird auf Grund seiner Resonanz
nur Mittelwelle empfangen. UKW und Langwelle kann er nicht kennenlernen, sie gehören
deshalb auch nicht zu seinem "Weltbild". Ebenso braucht der Mensch für jede
Wahrnehmung in sich selbst eine Entsprechung, die in der Lage ist,
"mitzuschwingen" und ihm durch diese Resonanz erst die Wahrnehmung ermöglicht. Goethe
formuliert dies in dem Satz: "Wär nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt es
nie erblicken; läg nicht in uns des Gottes eigene Kraft, wie könnt uns Göttliches
entzücken?" Diese Formulierung Goethes verläßt bereits die rein physikalische
Ebene der Resonanzfähigkeit und überträgt damit das Gesetz der Resonanz analog auf das
Gebiet, welches uns hier interessiert.
Jeder Mensch kann immer nur jene Bereiche der
Wirklichkeit wahrnehmen, für die er eine Resonanzfähigkeit besitzt. Dies gilt nicht nur
für den Bereich der rein sinnlichen Wahrnehmung, sondern für die gesamte Erfassung der
Wirklichkeit. Da alles, was außerhalb der eigenen Resonanzfähgikeit liegt, nicht
wahrgenommen werden kann, existiert es auch für den betreffenden Menschen nicht.
Deshalb glaubt jeder Mensch, daß er die Gesamtheit der Wirklichkeit kennt und es
außerhalb dessen nichts mehr gebe. Wenn jemand ein Buch liest, glaubt er, das Buch ganz
zu verstehen, obwohl er nur jeweils von dem Gelesenen das aufnehmen kann, was sich mit
seinem derzeitigen Bewußtseinsstand in Einklang befindet. Daß dies so ist, erkennt man
am besten, wenn man bestimmte Bücher nach Jahren noch einmal liest. Das Bewußtsein hat
sich in diesen Jahren erweitert, weshalb man nun das Buch "noch besser"
versteht.
All die geschilderten Zusammenhänge sind wohl
jedem einigermaßen geläufig und einsichtig und sollen deshalb auch nur zur
Verdeutlichung des Prinzips dienen, das wir nun ebenfalls auf das Schicksal im Allgemeinen
anwenden wollen. Man kann immer nur mit den Ideen, Menschen und Situationen in Berührung
kommen, für die wir eine Eigenresonanz oder, wie wir es in Zukunft nennen wollen, eine
Affinität mitbringen. Ohne die entsprechende Affinität kann es niemals zu einer
Manifestation kommen. Gerät jemand in einen Streit oder in eine Schlägerei, so geschieht
dies niemals zufällig, sondern immer nur auf Grund der eigenen Affinität zu einem
solchen Erlebnis. Die Schuld für die etwaigen Folgen einer solchen Schlägerei trägt
demnach auch der, der von sich annimmt, daß er ganz unschuldig in diese Rauferei
verwickelt worden sei. Ohne die entsprechende Affinität hätte er aber gar nicht
verwickelt werden können. Wird jemand auf der Straße angefahren, so ändert auch die
rein rechtliche und funktionale Schuld des anderen nichts an der Tatsache, daß der
Angefahrene für dieses Erlebnis reif war, sonst hätte dieses Ereignis nicht in seinen
Erfahrungsbereich treten können.
Die Umwelt als Spiegel
Ich weiß, daß diese Betrachtung anfänglich sehr
ungewohnt ist, doch sollte die Gewohnheit einer Aussage nicht unbedingt als Kriterium für
Richtigkeit angesehen werden. Die sogenannte Umwelt ist in Wirklichkeit ein Spiegel,
in dem jeder Mensch lediglich sich selbst erlebt. Er kann niemals etwas anderes als sich
selbst erblicken, weil er aus der wahren, objektiven, für alle Menschen gleichen
Gesamtwirklichkeit nur jenes herausfiltert, für was er selbst eine Affinität hat. Wer
sich dieser Tatsachen nicht bewußt ist, verfällt zwangsläufig in irrtümliche
Verhaltensweisen.
Wenn ich am Morgen in den Spiegel schaue und in
diesem Spiegel ein Gesicht erblicke, das mich unfreundlich anblickt, so kann ich dieses
Gesicht wegen seiner Unfreundlichkeit kräftig beschimpfen. Davon läßt sich das Gesicht
im Spiegel jedoch keinesfalls beeindrucken, sondern schimpft vielmehr kräftig mit. Auf
diese Weise ist es eine Leichtigkeit, sich weiterhin gegenseitig zu eskalieren, bis ich
schließlich in das verbissene Gesicht schlage und den Spiegel zertrümmere. Mit dem
Badezimmerspiegel wird jedoch niemand dieses Spiel treiben, weil wir uns seiner
Spiegelfunktion bewußt sind. Doch fast alle Menschen zelebrieren im täglichen Leben den
beschriebenen Vorgang mit Verbissenheit. Sie kämpfen gegen ihre Feinde in der
Umwelt, gegen die bösen Nachbarn und Verwandten, gegen die Ungerechtigkeiten ihrer
Vorgesetzten, gegen die Gesellschaft und vieles mehr.
Alle kämpfen in Wirklichkeit nur gegen sich
selbst. Deshalb gibt es auch überall nur Verlierer, keine Gewinner, denn gegen wen
sollte man bei einer Spiegelfechterei gewinnen? Das Gesetz der Resonanz und der Spiegelung
gilt natürlich im Positiven wie im Negativen.
Wenn wir bei unseren Betrachtungen fast
ausschließlich negative Beispiele zitieren, so deshalb, weil das Leiden des Menschen
aus diesen Bereichen erwächst. Mit den positiven Seiten des Schicksals werden die
meisten ohnehin recht gut fertig. Wird sich der Mensch der Spiegelfunktion seiner Umwelt
bewußt, so erwächst ihm hieraus eine ungeahnte Informationsquelle. Auch wenn man
im Spiegel immer nur sich selbst sehen kann, so benutzen wir doch einen Spiegel deshalb,
weil er uns Teile von uns selbst sagen kann, deren Anblick für uns ohne dieses
Hilfsmittel unmöglich wäre.
So ist auch die Beobachtung der eigenen Umwelt und
der Ereignisse, mit denen man konfrontiert wird, eine der besten Methoden zur
Selbsterkenntnis, denn alles, was in der Außenwelt stört, zeigt lediglich an, daß man
selbst mit dem analogen Prinzip in sich selbst noch nicht ausgesöhnt ist. Dies will der
Mensch ungern wahrhaben. Doch die Tatsache, daß sich jemand über den Geiz eines anderen
aufregt, zeigt mit Gewißheit an, daß er selbst geizig ist. Sonst könnte es ihn doch
nicht stören. Wenn er selbst großzügig ist, was kümmert ihn dann der Geiz anderer?
Er könnte ihn als Tatsache hinnehmen, ohne sich darüber aufzuregen und sich gestört zu
fühlen.
Bei nüchterner Betrachtung sind alle Dinge so, wie
sie sind. Gras ist eben grün - natürlich wäre es denkbar, daß es rot wäre, aber es
ist eben grün, und dies wird schon seinen Sinn haben. Über das Grün des Grases regt
sich auch niemand auf, da es keine Problematik im Menschen anspricht. Daß es in der Welt
Krieg gibt, ist ebenso wie das Grün der Wiese eine Tatsache. Doch darüber erregen sich
bereits die Gemüter; und so beginnt man, für den Frieden zu kämpfen. Für alles
"kämpft" man: für Frieden, Gerechtigkeit, Gesundheit, Menschlichkeit.
Doch wäre es viel einfacher und erfolgreicher,
den Frieden in sich selbst herzustellen. Hier liegt wieder einer der mächtigsten
Schlüssel für den, der ihn anzuwenden weiß. Jeder Mensch ist in der Lage, die gesamte
Welt nach seiner Vorstellung zu verändern und zu gestalten, ganz ohne Kampf und
äußere Macht. Der Mensch braucht nur sich selbst zu ändern, und siehe, die ganze
Welt verändert sich mit ihm. Wenn ich im Spiegel das unfreundliche Gesicht sehe, brauche
ich nur zu lächeln - und es wird zurücklächeln, mit Sicherheit! Alle wollen immer
die Welt verändern, doch keiner wendet die Mittel an, die allein zum Erfolg führen.
Wer seine Affinität ändert, empfängt ein neues Programm, sieht eine andere Welt.
Jeder Mensch lebt in seiner "Welt". Von
diesen Welten gibt es genauso viele, wie es Menschen gibt. All diese Welten sind nur
Ausschnitte, Aspekte der wirklichen Welt, die ehernen Gesetzen folgt und sich nicht von
den Veränderungsrufen der Menschen beeindrucken läßt. Die Außenwelt ist die
zuverlässigste Informationsquelle über die eigene Situation, in der man sich gerade
befindet. Wenn der Mensch lernt, alles, was ihm geschieht, nach seiner Sinnhaftigkeit zu
hinterfragen, so wird er nicht nur sich und seine Probleme immer besser kennenlernen,
sondern auch die Möglichkeiten für Veränderungen entdecken.
Bei allem, was dem Menschen widerfährt, sollte er
sich sofort fragen: "Warum geschieht gerade mir, gerade jetzt, gerade dies?"
Solange man diese Fragestellung nicht gewohnt ist, mag auch das Auffinden der Antwort
schwierig erscheinen. Doch auch hier macht Übung den Meister, und schon bald lernt man,
die Sinnhaftigkeit der Ereignisse zu erkennen und zu sich selbst in Beziehung zu setzen.
Es gibt in der Psychopathologie den Begriff des
"sensitiven Beziehungswahns", der die Eigenart der meist an Schizophrenie
erkrankten Menschen beschreibt, alles Geschehen der Welt wahnhaft auf die eigene Person zu
beziehen. Zu diesem krankhaften Pol des sensitiven Beziehungswahns gibt es jedoch einen positiven
Pol, den wir das "sensitive Beziehungsdenken" nennen wollen. Alles, was
geschieht, hat für den Erlebenden eine Bedeutung.
Je bewußter der Mensch wird, um so mehr lernt er
die Dinge einzuordnen, nach ihrer Information zu hinterfragen. So bleibt die wichtigste
Forderung, mit allem, was ist, in Harmonie zu gehen. Gelingt dies einmal nicht, so suche
man in sich selbst den Grund. Der Mensch ist der Mikrokosmos und daher ein genaues Abbild
des Makrokosmos. Alles, was ich außen wahrnehme, finde ich auch in mir.
Bin ich in mir mit den verschiedenen Bereichen der
Wirklichkeit in Harmonie, so können mich auch deren Repräsentanten in der Außenwelt
nicht stören. Geschieht etwas für mich Unangenehmes, so ist dies lediglich eine
Aufforderung, mich auch noch diesem Bereich in meinem Inneren zuzuwenden.
All die bösen Menschen und die unliebsamen
Ereignisse sind in Wirklichkeit nur Boten, sind Medien, das Unsichtbare sichtbar zu
machen. Wer dies begreift und bereit ist, die Verantwortung für sein Schicksal selbst zu
übernehmen, verliert alle Angst vor dem bedrohenden Zufall.
Die Hauptbeschäftigung unserer Zeit ist die
Vorsorge und Absicherung gegen die Eventualitäten des Schicksals. Von der Versicherung
bis zum Sozialismus reichen die Absicherungssysteme, die nur ein Ziel haben: durch
äußere Maßnahmen Eingriffe des Schicksals zu verhindern oder zu verändern. Hinter
all diesen Bestrebungen steht die Angst. Doch erst wenn der Mensch bereit ist, sich
selbstverantwortlich dem Schicksal zu stellen, verliert er die Angst. Man kann nicht
versehentlich ermordet werden, nicht versehentlich reich werden.
Beides kann sich nur dann manifestieren, wenn
man dazu reif ist und die entsprechende Affinität besitzt. Die Menschen streben nach
Reichtum und versäumen dabei, sich für den Reichtum reif zu machen. Die esoterisch
Interessierten suchen in aller Welt nach dem richtigen Guru und den besten Systemen und
vergessen, daß der Guru (= der Begleiter, Anmerkung
von hgk) von selbst zu dem kommt, der dazu reif ist.
Es genügt, daß man etwas wirklich braucht, und man
wird es bekommen. Im Kleinen werden viele dieses Gesetz schon häufig erlebt haben.
Irgendwann im Leben wird man plötzlich mit irgendeinem Thema konfrontiert, dessen
Existenz man bisher gar nicht beachtete, ja kaum vermutete. So lernt man beispielsweise
einen Spezialisten über das "Liebesleben der Ameisen" kennen. Man wundert sich
noch darüber, daß es überhaupt einen Menschen gibt, der sich für ein so ausgefallenes
Thema interessiert, da bekommt man von anderer Seite "zufällig" ein Buch über
genau dieses Thema geschenkt. In einer Illustrierten liest man ebenfalls über dieses
Thema und stellt beim nächsten Besuch fest, daß ein guter Bekannter, den man schon Jahre
kennt, sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt - aber früher noch nie darüber
sprach.
Hinter dieser "Zufallskette", die die
meisten schon einmal in irgendeiner Form erlebten, steckt nichts anderes als das
Affinitäts- oder Resonanzgesetz. Auf diese Weise bekommt man mit Sicherheit jedes
Buch, jede Information, jeden Kontakt, den man braucht - wenn man ihn wirklich braucht und
reif für diese Begegnung ist. Ohne diese notwendige Reife nützt alles Suchen und
Streben im Außenraum nichts.
Wer sich selbst verändert, ändert die Welt. Es
gibt in dieser Welt nichts zu verbessern, aber sehr viel an sich selbst. Der esoterische
Weg ist ein Weg der steten Wandlung, der Veredelung von Blei zu Gold. Der Weise ist mit
allen Bereichen des Seins in Harmonie und lebt deshalb in der besten aller möglichen
Welten. Er sieht die Wirklichkeit und erkennt, daß alles, was ist, gut ist. Er sucht
nicht mehr nach dem Glück, er hat es gefunden - in sich selbst.
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